Nachruf

Augenblicke. Für die Ewigkeit.
Peter Nürnberg hat Filme und das Kino geliebt. Und Musik und Feiern. Und er hat sehr gerne fotografiert. Als das Lehrlingsgehalt für eine kleine Kamera gereicht hat, begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Fortan konnte er seine Begegnungen mit den Großen des Films, des Theaters und der Musik im Bild festhalten. Für immer.
Da war aber ein Problem: die Filme und deren Entwicklung waren teuer und die Kosten überstiegen oft seine Möglichkeiten. Es gab nur eine Lösung: er musste seine Chance für den einen Augenblick nutzen. Eine, vielleicht zwei Aufnahmen waren möglich. Das musste reichen, um den Moment für immer auf Film zu bannen. Überwiegend auch ohne Blitzlicht! Und das gelang ihm dann auch.
Jahrelang war die Kamera sein Begleiter auf Filmpremieren, im Theater und in Konzertsälen. Als Mitglied des Curd Jürgens Fanclubs machte er Aufnahmen in Jürgens Suite im Atlantic Hotel und in dessen Berliner Wohnung. Er fotografierte Sophia Loren, Robert Wagner, die Callas, die Knef, Gert Fröbe und viele weitere Stars und Sternchen des deutschen Nachkriegsfilms. Gustav Gründgens und Marianne Hoppe traf er am Bühnenausgang, Paul Anka in der Musikhalle und Maurice Chevallier hinter der Bühne.
Dann wird es ruhiger in seinem Leben. Er arbeitet in einem Fotoarchiv und in einer Presseabteilung bis er in den 70er Jahren wieder als freischaffender Fotograf seiner Leidenschaft mit der Kamera nachgeht. Das Tagesgeschäft bestimmt sein Leben und die Aufnahmen aus seiner wilden Zeit geraten ein wenig in Vergessenheit.
Im Winter 2010 setzten wir uns mit ihm zusammen, um sein Archiv zu erfassen und zu digitalisieren. Er brachte mehrere Ordner mit mehr als zweitausend Fotos, Negative wie Positive, die wir im Verlauf der kommenden Wochen eingescannt und bearbeitet haben. Er kam regelmäßig ins Studio, um sich die Ergebnisse anzusehen und uns die Geschichten zu den Fotos zu erzählen. Viele Aufnahmen hatte er immer nur als Negativ gesehen, weil damals das Geld für die Laborkosten fehlte. Immer wieder fanden wir Kleinodien, die er schon fast vergessen oder für missraten gehalten hatte.
Manchmal waren Aufnahmen, an denen ihm besonders lag, unscharf oder unterbelichtet, weil die von ihm verwendete günstige Kamera den Anforderungen nicht gewachsen gewesen war. Das machte ihn traurig, weil die so lange gehegte Hoffnung zerstoben war. Aber das gab sich schnell, wenn wir weitere verschwunden geglaubte Perlen aus seinem Werk wiederentdecken konnten.
Als wir uns zum ersten Mal trafen, wusste er schon von seiner Erkrankung und war in Therapie. Die Zeiten wurden schlechter und es wurde schwierig mit dem Geld. Seine Gesundheit machte ihm immer mehr Kummer. Keine einfachen Jahre, in denen er gegen eine Krankheit kämpfen musste, die immer bedrohlicher für ihn wurde. Am 28. November 2015 ist Peter Nürnberg ihr erlegen. Seine Fotos haben wir alle aufbewahrt.

00216

01223

01974

03129

03120

03118

03074

03040

01925

01901

01841

peter17

02005

01936

01927

01457

01418

01716

01811

01680

01927

01664

01411

01352

01219

00859

00849

01204

01182

01180

01179

01072

00522

00872

00845

01097

01052

00690

00657

00586

00353

00321

00433

00426

00297

00461

00332

00307

00231

PresseFotoKunst
©2015

PresseFotoKunst-Shop